Die Orgel des Ururgroßvaters
Und dann berichtet Herbert Hey über das Jahr 1989,
als die Grenze nach Thüringen geöffnet wurde. Den Orgelbauer zog es
daraufhin mit seiner Familie nach Melpers, denn dort sollte noch eine
Orgel zu finden sein, die der Ururgroßvater 1874 gebaut hatte - und
tatsächlich: Sie stand in der Kirche, war zwar nicht mehr spielbar,
aber doch in einem Zustand, der die Sanierung ermöglichte. Dem
örtlichen Pfarrer bot die Familie an, das Instrument wieder
instandzusetzen - er ging auf das Angebot gerne ein.
Jede Orgel hat ihren Charakter
In Urspringen lernten die Hörer des Mittagsmagazins
eine Handwerkerfamilie kennen, die auf ihre Produkte schwört. Schön
seine Vorfahren hätten Instrumente hergestellt, deren unvergleichliche
Perfektion im Innenleben Maßstäbe gesetzt habe, berichtet Herbert Hey.
"Jede Orgel hat ihren Charakter", sagt Hey - und deshalb seien auch
die Hey-Orgeln letztendlich unverwechselbar. Mit Qualität gelinge es
auch im Zeitalter der Globalisierung, Billigimporten beispielsweise
aus Fernost zu trotzen.
Unglaubliche 1.300 Besucher waren
im Rahmen der "Mainfranken-tour" Gäste bei der Orgelbau-Firma Hey
Der Bayerische Rundfund sendete "live" aus
Urspringen - Rund eine Stunde drehte sich alles um das Thema Orgel
Strahlender Sonnenschein begleitete am Mittwoch
die Livesendung des Bayerischen Rundfunks auf dem Betriebsgelände der
Firma Orgelbau-Hey im Ostheimer Stadtteil Urspringen. Rund 1.300 Gäste
waren gekommen, um zunächst in der knapp einstündigen Sendung alles
über die "Königin der Instrumente" zu erfahren und danach dann
ausführlich bei einem Rundgang durch die Rhöner Orgelbaufirma zu
informieren.
Sportverein und Feuerwehr von Urspringen hatten
zusammen geholfen und die Bewirtung der Besucher aus ganz Unterfranken
sichergestellt. Kein Wunder, dass das BR-Team aus Würzburg von einer
hervorragenden Organisation sprach und auch die Zuhörer rundum
zufrieden waren.
Firmenchef Herbert Hey hatte natürlich auf die
Fragen der Reporter Franz Barthel und Stefan Kirchner die notwendigen
Antworten parat. Zum Beispiel, als Franz Barthel wissen wollte, ob
einem Orgelbauer überhaupt bewusst ist, dass das von ihm gebaute
Instrument bei so manchem Kirchenlied den Besuchern eine Gänsehaut
einbringen könne. So etwas wisse man natürlich und sei auch stolz,
wenn die Holz- und Metallteile einer Orgel harmonisieren, alles
zusammenspielt und die Herzen der Besucher öffnet.
Zur Zeit wird in der Orgelbaufirma die Kirchenorgel
aus Schleusingen in Südthüringen gebaut. Ein Instrument, das fast die
ganze Montagehalle ausfüllt. Hinzu kommen weitere Neubauten, aber auch
Umbauten.
Stephan Kirchner erfuhr, dass es ein langjähriger
Prozess ist, bis man ein Orgelbauer wird. Ohne ein entsprechendes Team
sei dann der Bau nicht möglich. Wichtig sei es ja, dass so eine Orgel
über mehrere hundert Jahre spielt. In der Firma Hey in Urspringen wird
ein Großteil der Bauteile für eine Orgel selbst hergestellt und
verarbeitet. Nur wenige Teile kommen von auswärts.
Was muß eine Orgel haben? Natürlich ein gutes
Design, gute Klangausrichtung und eine gute Raumintonation. Nicht
jeder Kirchenraum ist gleich. In der Orgelbaufirma selbst war Klaus
Wagner mit eingebunden, der auf einer Orgel spielte , die die Firma
Hey ausleiht , wenn in einer Kirche eine neue Orgel gebaut wird.
Schließlich ging es bei der Live-Sendung in
Urspringen auch um die Grenzöffnung zur einstigen DDR und welche
Auswirkungen dies für das Rhöner Orgelbauunternehmen hatte.
In Melpers steht zum Beispiel eine Orgel, die der
Ur-Ur-Großvater von Herbert Hey im Jahr 1874 gebaut hatte. Für Herbert
Hey natürlich ein besonderer Tag , als er nach der Grenzöffnung nach
Melpers fuhr. Der Ortspfarrer Thomas Bsufka half natürlich, damit die
Heys in die Kirche kamen. Das Instrument war kaum noch spielbar. Die
Orgelbaufirma aus Urspringen entschied spontan, die Orgel kostenlos zu
reparieren. Der Pfarrer erinnert sich noch, dass es in der Adventszeit
war, als die Orgelbaufirma in Melpers war.
Stephan Kirchner wollte wissen, ob es Traditionen
gibt, eine echte Hey-Orgel zu erkennen. Das sei durchaus möglich sagte
Herbert Hey. Es gibt Signaturen aber auch die Perfektion im Innenleben
einer Orgel. Oftmals findet man in der Orgel auch seltsame Dinge. Da
gab's schon alte Gewehre aus dem 30-jährigen Krieg bis hin zum
Jägermeister, aber auch Inschriften vom Orgelbau oder von einem
Organisten.
In Thüringen gibt es einige Instrumente, die im
Betrieb Hey entstanden sind. Es gibt noch viele Instrumente, die Vater
und Großvater Hey gebaut hatten, wusste Herbert Hey. Er nannte auch
die guten Beziehung zu Thüringen und hier vor allem zu den Pfarrern.
Um was ging es noch? Zum Beispiel um die neue Orgel
am Kreuzberg. Der Vizepräsident und Schreinermeister Walter Heuslein
aus Billingshausen berichtete, dass er Musik studiert hatte. Heute sei
es wichtig, dass man in der Gemeinde immer wieder mithelfe. Sein Vater
sei Musiker gewesen. Heuslein selbst war schon öfters in der Rhön und
konnte auf der Hey-Orgel spielen. Das sei ein ganz besonderer Moment
gewesen. Bruno Werner habe dies möglich gemacht.
Kantor Herbert Schmitt betreut die Hey Orgel der
Pfarrkirche in Mellrichstadt und berichtete den Reportern, dass es
ganz wichtig sei, den Kontakt zum Orgelbauer zu haben. Von ihm lerne
man auch sehr viel. Als Orgellehrer könne er sagen, dass es nach wie
vor Nachwuchs gebe. Man müsse die jungen Menschen nur für das
Instrument begeistern. Schließlich spiele man auf der Orgel auch
moderne Stücke.
Thomas und Christian Hey berichten, dass man bei
der Firma Hey die Bereiche in der Firma aufgeteilt hat. Christian Hey
wartet die Instrumente und ist für den Außendienst zuständig. Für
Christian Hey ist eine Ehre Orgelbauer zu sein. Thomas Hey ist für die
Auslandskontakte, Orgeldesign und Büro verantwortlich.
Zufrieden sei man mit der Auftragslage. Gibt es
neue Märkte? Natürlich, sagte Thomas Hey Man müsse neue Märkte auch im
europäischen Bereich oder auch in den USA, England oder Korea angehen.
In Unterfranken gibt es natürlich noch andere Orgelbauer, wobei jeder
seinen eigenen Absatzmarkt habe. Deutsche Orgeln haben weltweit einen
sehr guten Ruf, sagt schließlich Herbert Hey. Claudia Hey ist nicht im
Betrieb, aber für den Zusammenhalt der Familie zuständig. Sie pflegt
aber auch die Kontakte mit Pfarren und Pfarreien und anderen Kunden.
Insgesamt war es eine Sendung des Bayerischen Rundfunks, die das
Rhöner Unternehmen hervorragend präsentierte. Bei anschließenden
Führungen in der Orgelbaufirma Hey gab es dann für die Gäste natürlich
weitere ausführliche Informationen. Sie konnten sehen, wie eine Orgel
entsteht, welche Arbeitsgänge notwendig sind und erfuhren auch einiges
über den Zeitaufwand. Besonders beeindruckend war da unter anderem die
prachtvolle Orgel aus Schleusingen.

Aus Rhön- und Streubote
Freitag, 13. Juni 2008