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Über 250 Jahre Rhöner Orgelbautradition
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Werkstätte für Orgelbau
und Restaurierung

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Die neue Orgel
Gloria Sanguini Jesu
 
Neues Meisterwerk der Orgelbaukunst in der Klosterkirche der Schwestern vom Kostbaren Blut zu Schellenberg
 
 
Am 21. April 2007 hat Erzbischof Wolfgang Haas im Beisein der Schwesternfamilie und der geladenen Gäste die neue Orgel in der Kirche des Frauenklosters von Schellenberg feierlich eingeweiht. Nach der Segnung sang der Konvent die erste Sonntagsvesper im gregorianischen Choral mit Orgelbegleitung. Im anschließenden Orgelkonzert, das der bekannte liechtensteinische Organist und Musiker Thomas Nipp aus Balzers auf meisterhafte Weise darbot, erlebten die Anwesenden Klangfülle und Klangschönheit dieser "Königin der Instrumente" und konnten sich von der hervorragenden Qualität der ersten Hey-Orgel im Fürstentum Liechtenstein überzeugen. Viruos spielte Thomas Nipp Werke von Georg Friedrich Händel, Josef Gabriel Rheinberger, Johann Sebastian Bach, Johann Pachelbel sowie Alexandre Guilmant und zwei eigene Meditationen über gregorianische Themen.

Die deutsche Orgelbaufirma Hey aus Ostheim-Urspringen (Unterfranken) hat mit der neuen Klosterorgel eine beeindruckende Leistung ihres Handwerks erbracht. Regionalkantor Wolfgang S. Kraus, Sohn des berühmten Regensburger Domorganisten Eberhard Kraus (gest. 2003), nahm die erwünschte Prüfung (Collaudation) ab; er hält in seinem Gutachten unter anderem fest: "Die neue Hey-Orgel der Klosterkirche Schellenberg kann getrost als ein technisch, optisch und klanglich gelungenes Meisterwerk der Orgelbaufirma bezeichnet werden. Sie gehört zwar sicher zu den kleineren Werken im Schaffen der weltweit tätigen Firma, aber ihr Nuancenreichtum an Klangfarben und die wunderbar an den wahrlich nicht einfach zu bewältigenden Raum und an die mindestens ebenso anspruchsvollen liturgischen Anforderungen eines Anbetungsklosters abgestimmte Intonation verleihen ihr einen ganz besonderen Stellenwert. Mit ihr steht der Schwesterngemeinschaft ein Instrument zur Verfügung, das sich angenehm spielen läßt, das technisch einwandfrei ist und das klanglich immer wieder neue Entdeckungen ermöglichen wird. Das klangliche Spektrum der Orgel reicht von der charakteristischen Einzelstimme in vielen Varianten bis zu einem nahezu sinfonisch zu nennenden Gesamtklang, der akustisch einen Weit größeren Raum vermuten läßt, als er tatsächlich vorhanden ist". Das dreiteilige Orgelgehäuse auf der Empore der Klosterkirche ist aus bestem Eichenholz gefertigt und künstlerisch raumangepaßt gestaltet. Die Orgel besitzt zeei Manualwerke und Pedal; sie hat 17 Register sowie entsprechende Koppeln und Spielhilfen. Nahezu 1000 Orgelpfeifen dienen einer Fülle von Klangvariationen.

Der Orgelbaumeister selbst schreibt: "Orgel und Kirchenraum gehören zusammen, so sind viele Überlegungen in architektonischer, orgelbautechnischer und akustischer Hinsicht notwendig, um ein künstlerisch hochwertiges Orgelwerk zu schaffen. Dies gilt im besonderen für den sehr diffizilen klanglichen Bereich der Orgel. Wir haben und über die Nutzung und Aufgabe der neuen Orgel im Frauenkloster eingehend informiert und klare Klangstrukturen zugrundegelegt: Wärme und Fülle im Klang, Transparenz und feine Brillanz ohne aufdringliche Schärfe. Neben der klanglichen Integration war auch die architektonische Einbindung der neuen Orgel für uns von höchster Priorität. Es wurde ganz bewußt keine sklavische Anpassung an die vorhandenen Stilelemente verfolgt, sondern vielmehr eine kreative Einpassung, besser gesagt, eine Zeitgenossenschaft" vollzogen. Die Register der beiden Manualwerke stehen, zentral mittig auf der Empore, auf einer sog. Kombinationswindlade und können durch einen mechanischen Generalschweller in der Lautstärke variiert werden. Flankierend dazu wurde das Pedalwerk links und rechts positioniert. Die neue Orgel wurde im Innenleben nach klassischen Prinzipien konzipiert, ohne jedoch die Errungenschaften des zeitgenössischen Orgelschaffens außer acht zu lassen. Die Grundidee der Konzeption schöpft aus der reichen Orgelbaugeschichte unseres Handwerkes. Es kamen nur natürliche Werkstoffe, langjährig und natürlich abgelagerte Hölzer von bester Qualität und solide Konstruktionen zur Anwendung. Der 1-manualige Spieltisch wurde mit Blick zum Altar platziert. Von hier aus werden alle Funktionen der Orgel bedient."

Erzbischof Haas wies in seiner Ansprache am Orgelweihetag darauf hin, daß es sich bei dem neuen Kircheninstrument gewissermaßen um eine "Jubiläumsorgel" handle. Am 21. Juni 2008 wird nämlich das Frauenkloster von Schellenberg auf 150 Jahre seiner Geschichte zurückblicken können, welche mit der sog. Ewigen Anbetung am 21. Juni 1858 unter bescheidensten Umständen ihren Anfang nahm. Ebenso können auch die Missionare vom Kostbaren Blut auf den gleichen Zeitraum ihres Wirkens in Schellenberg zurückschauen, stand doch an der Wiege des dortigen Frauenklosters einer ihrer Patres, nämlich P. Franz Sales Brunner, der im Rufe der Heiligkeit starb. Die 1880 eingeweihte Konventskirche im Schellenberger Frauenkloster erfuhr im Jahre 2001 eine großzügige Neugestaltung und Weihe der Altäre. Die Schwestern dieses Klosters wollten auf das 150-Jahr-Jubiläum hin einen besonderen liturgischen Akzent setzen, und zwar durch die notwendig gewordene Anschaffung einer neuen Orgel für deren Kirche. Dieser Wunsch ist nun in Erfüllung gegangen. Namentlich durch zwei großzügige private Spenden konnte das Projekt verwirklicht werden, wofür den Sponsoren herzlicher Dank gebührt. Sie und alle, die in irgendeiner Weise an der Schaffung dieses Meisterwerkes beteiligt waren, besonders aber die Klosterfamilie und die ihr verbundenen Gläubigen dürf4en sich über die in jeder Hinsicht beeindruckende Jubiläumsorgel herzhaft freuen. Der Orgelbaufirma Hey gebühren volle Anerkennung und hohes Lob.

Erzbischof Haas betonte anläßlich der Orgelweihe: "Die neue Hey - Orgel in der Kirche des Frauenklosters zu Schellenberg steht unter dem Leitwort "Gloria Sangini Jesu" (Ehre sei dem Blute Jesu"). So dient sie auf Ihre Weise dem fortwährenden Lobpreis des Kostbaren Blutes, das der Herr - aus unendlicher Liebe - zum Heil der Menschen vergossen hat. Das Erlöserblut ist "wie eine Posaune, die ruft" (hl. Bernhard von Clairvaux); bei seiner Verehrung öffnet sich gleichsam "die Schatzkammer der Weisheit und Heiligkeit" (hl. Kaspar des Bufalo). Klangfülle und Klangschönheit der Jubiläumsorgel (150 Jahre Frauenkloster Schellenberg: 1858-2008) tragen dazu bei, den unerschöpflichen geistlichen Schatz des Kostbaren Blutes immer mehr und immer neu zu entdecken. Sie unterstützen die besondere Aufgabe der Klostergemeinschaft, welche in der Verherrlichung und immerwährenden Anbetung des kostbaren Blutes Jesu Christi im heiligsten Sakrament des Altares besteht.

Die Orgellandschaft Liechtensteins ist nun um ein wahres Meisterwerk der Orgelbaukunst reicher. Das kann gewiß Anlaß zur Freude und Dankbarkeit sein.

 

Aus vobiscum 03/2007
Publikationsorgan des Erzbistums Vaduz

 

 

 

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