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Bei der New Orleans
Suite konnte man den Hurrikan und die Flugkatastrophe im Orgelspiel
nachempfinden
Leutershausen (hf). Es war ein
Konzertabend der ganz besonderen Art, den die Besucher in der Kirche von
Leutershausen am Samstagabend erlebten. Dort spielte Professor Dr. Lucius
Weathersby verschiedene Werke, wobei besonders beeindruckend die „New
Orleans-Suite“ die Zuhörer in den Bann schlug. Hier nahm Weathersby die
Konzertbesucher mit hinein in die Katastrophe. Auf der neuen Hey-Orgel
konnte man förmlich den herannahenden Sturm in seiner ganze Gewaltigkeit
ebenso hören wie die Wassermassen, die die Straßen überfluteten. Mit dem
bekannten „Näher mein Gott zu dir...“ das ein Teil dieser New Orleans Suite
war deutete der Komponist die Not an, in der die Menschen steckten, aber
auch die Trauer über die vielen Toten. Es war ein beeindruckendes Konzert,
das letztendlich dem Künstler auch stehende Ovationen bescherte.
Pfarrer Karlheinz Mergenthalter hatte
zu Beginn den Gast kurz vorgestellt und sich gefreut, daß zum Konzert in die
Kirche von Leutershausen trotz der kurzfristigen Einladungen viele gekommen
waren. Sein besonderer Gruß galt seinem Vorgänger Pfarrer Albin Lieblein,
vor allem aber Professor Dr. Weathersby. Ein Organist, der in Europa,
Zentral Amerika, sowie den Vereinigten Staaten sehr bekannt und gefragt ist.
Wie bereits berichtet, wirkte er als Direktor für Musik an der First
Congregational Church in Waterloo, Iowa und der Church of the Beatitudes in
Phoenix, Arizona, wo er zwei ausgezeichnete Konzertreihen gründete. Als
Dirigent hat Dr. Weathersby eine Vielzahl von Chören und Orchestern
geleitet, während er in Iowa Mitglieder der Waterloo Falls Symphony
dirigierte. In Phoenix führte der Kirchenchor der Church of the Beatitudes
viele große Chorwerke mit Mitgliedern der Phoenix Symphony auf. Im Jahre
1993 war Weathersby Gastdirigent beim International Dvorak Festival. Er hat
auch die West Union Madrigal Singers in Dvoraks Messe geleitet. Im Jahre
1997 wurde er Assistent für Maestro Herriman und der San Marcos Symphony.
Dr. Weathersby ist als Dozent für
Themen, wie afro-amerikanische Musik, Spieltechnik, und die Musik des
Barock, sehr gefragt. Er lehrte an der Camebridge University (UK), der Yale
University, der University of London, sowie in Kapiteln der American Guild
of Organists. Mittlerweile gibt es bereits CDs von Dr. Weathersby. Die
erste CD „Spiritual Fantasy“: Eine CD mit Orgelwerken von afrikanischen und
afrikanisch-amerikanischen Komponisten wurde im Herbst 2000 herausgegeben,
die andere CD mit afrikanischen und afrikanisch-amerikanischen Komponisten
für Klavier und Flöte mit Flötistin Wendy Hymes wurde im Frühjahr 2001
veröffentlicht. Zur Zeit ist er Professor für Musik am Amherst College in
Houston/Texas. Nach dort ist er nach dem Hurricane Katrina aus New Orleans,
wo er alles verloren hat, geflüchtet.
Die neue Hey Orgel von Leutershausen
wird eine der Aufnahmeorte sein, an der die neue Benefiz-CD von Dr. Lucius
Weathersby eingespielt wird, deren Erlös gezielt an Kirchenmusiker im
Hurricane Gebiet um New Orleans gehen soll. Aus diesem Anlass hat Prof. Dr.
L. Weathersby sogar ein eigene Suite komponiert, die in Leutershausen
Prämiere feierte. Sie ist den Opfern und den Überlebenden gewidmet und
verarbeitet die Geschichte von New Orleans: Von den Anfängen mit Jazz, über
die Katastrophe, bis hin zu dem was kommen wird.
Bereits mit dem ersten Orgelwerk
“Three Impromptus, Op 78” zeigte Dr. Weathersby, daß er ein
ganz besonderer Künstler auf der Orgel ist. Das Werk stammt von
Samuel Coleridge-Taylor, der 1875 nahe London geboren wurde. Taylor’s
Orgelwerke können als musikalische Glanzstücke beschrieben werden. Die Three
Impromtus, Op 78 sind Werke für Orgel, die man im späten 18. Jahrhundert in
England hörte.
Prelude to our American Cousin ist eine
Bearbeitung für Orgel der Orchester Overture einer Oper, die das Attentat
auf Lincoln am Theater thematisiert. Komponiert im Jahr 1999 für Lucius R.
Weathersby, trägt das Werk den Titel Fanfare and Toccata, da es seine
Inspiration von den Werken von J. S. Bach und seinen Fantasien und Toccatas
nimmt. Zwei Spirituals sind in diesem Stück: Ein traditioneller
amerikanischer Choral, „Over in Beulah Land“ und der African-American
Spiritual, „Beulah Land“. Der Zusammenschluß von zwei verschiedenen Welten,
Afrikan-American und Anglo-American ist in diesem Werk gelungen. Die Sprache
der Töne in dieser Arbeit kann als Pan-Tonal beschrieben werden.
Der Komponist sagt folgendes über sein
Werk: „Eine Person stirbt und findet sich im Himmel wieder. Er läuft umher
und findet viele wundervolle, bezaubernde und aufreizende Dinge im Himmel.
Seine Gedanken werden so voll von den Wundern des Himmels, dass sie eins
werden mit denen des Himmels.“ Zu hören war schließlich auch ein Spiritual
Set. Dieses beschreibt, was an einem Sonntag Morgen in einer
African-American Kirche passiert. Die erste Bewegung, Invocation, ist ein
meditatives Werk, das die Erweckung des Heiligen Geistes symbolisiert. Das
Spiritual Round about the Mountain erinnert den Komponisten an einen
Beerdigungszug, den er einige Jahre früher als Kind beobachtete. Die letzte
Bewegung, Praise, ist ein Ruf und Antwort Typus von Komposition, der das,
was am Sonntag Morgen stattfindet, wenn der Prister zu predigen beginnt,
nachahmt.
Zu hören war in Leutershausen dann auch
die Iowa Winter Suite von Lucius R. Weathersby. Sie verweist auf die
Winter in Iowa, wohin der Komponist gezogen war. Sein Professor für
Komposition sah, wie die Winter ihn berührten und schlug vor, ein Werk zu
komponieren, das Anderen die Möglichkeit geben soll, sein Entsetzen und
Unbehagen über raues Wetter, zu teilen. Höhepunkt des Orgelkonzertes war
schließlich die New Orleans Suite von Lucius R. Weathersby. Sie ist den
Bewohnern in der Region der Golf Küste gewidmet – denjenigen die Fliehen
konnten und denen, die den Verwüstungen des Hurricane Katrina nicht
entfliehen konnten. Die Suite erinnerte zunächst an traditionellen New
Orleans Jazz. Sie beginnt deshalb mit den langsamen, traurigen Klängen der
Choräle Nearer My God to Thee und Just a Closer Walk with Thee und
beschließt mit einem Ausbruch von Freude und Hoffnung, der ausdrückt, dass
jeder – reich oder arm – Entzücken im Leben nach dem Tode erfahren wird.
Beendet wurde das Konzert mit einer eigenen Improvisation von Dr. Weathersby
zum Thema „Dein Wort ist Licht auf unserem Weg“. Dieses Bibelwort ist an der
Kirche von Leutershausen zu lesen. Insgesamt ein Konzertabend, der wohl
allen Besuchern lange in Erinnerung bleiben wird.

Professor Dr. Lucius R. Weathersby an der
neuen Hey-Orgel in Leutershausen. Hier stellte er auch sein „New-Orleans-Suite“
vor, die an die Hurrikan Katastrophe in diesem Jahr erinnerte. Foto:
Friedrich
Pfarrer Karlheinz Mergenthaler stellte vor
dem Konzert in der Kirche von Leutershausen zunächst den Gast aus
Houston/Texas vor und berichtete über die geplante Benefiz-CD. Man freute
sich, daß gerade auch Leutershausen dafür ausgewählt wurde. Foto: Friedrich
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