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SOLI DEO GLORIA
Die neue Hey-Orgel in der Pfarrkirche St. Kilian in
Mellrichstadt
Kurzbeschreibung durch den Orgelbauer
Durch das entgegengebrachte Vertrauen der Kath.
Kirchenstiftung St. Kilian erhielten wir im März 2001 den Auftrag zur
Erneuerung der Orgel in Mellrichstadt. Vorgabe aller Überlegungen war die
Rückführung des Spieltisches auf die Orgelempore. Hier ist künftig der
Hauptplatz der Organisten und von hier aus kann auch die Chororgel hinter
dem Hochaltar gespielt werden.
Bereits 1997 legten wir der Kirchenverwaltung
verschiedene Konzepte zum Umbau bzw. Erneuerung der Orgel vor. Viele
Überlegungen und Beratungsgespräche in orgelbau-technischer und akustischer
Hinsicht waren notwendig, um ein hochwertiges Orgelwerk zu schaffen.
Zur neuen Konzeption der Orgel:
Æ Das gesamte Orgelwerk
(ausgenommen waren die Windladen und das Lagerwerk
der Chororgel) wurde ausgebaut und in unsere Werkstätte nach Urspringen
transportiert.
Æ Das Hauptwerk
(I. Manual, 11 Register) wurde wieder in das historische Orgelgehäuse aus
dem Jahr 1711 (Adam Philipp Schleich) integriert. Es verfügt über neue
Windladen mit mechanischer Tontraktur und elektrischer Registertraktur.
Æ Das historische
Orgelgehäuse wurde nach denkmalpflegerischen Maßstäben mit sehr
hohem Aufwand restauriert und ergänzt. Der Orgelstumpf ist zur Aufnahme der
neuen 3-manualigen Spielanlage umgearbeitet worden.
Æ Das Schwellwerk
(II. Manual, 14 Register) wurde nun im Seitenschiff der II. Empore
platziert. Es erhielt ein neues, starkwandiges Orgelgehäuse
aus Weichholz, mit drei Jalousien in Richtung Kirchenschiff und einer
Jalousie in Richtung Organist. Die Windlade wurde erneuert.
Æ Das Pedalwerk
(10 Register, davon 1 Register vakant) erhielt zwei komplett neue
Orgelgehäuseeinheiten, flankierend in C- und C#-Seite zum Hauptwerk
aufgestellt. Die Ansicht der Orgelfront wurde dadurch wesentlich verbessert.
Die Gehäuseeinheiten stehen nun frei und die Profile an den Gehäusetürmen
konnten dadurch umlaufend angelegt werden. Das Pedalwerk hat zwei neue
Windladen mit mechanischer Tontraktur und elektrischer Registertraktur.
Æ Die Chororgel
ist geblieben, wurde jedoch gründlich überarbeitet und komplett neu
intoniert. Im Seitenchor steht nun ein zweiter, fahrbarer Spieltisch, von
dem aus die Chororgel separat gespielt werden kann.
Æ Das Pfeifenwerk
der Orgel wurde zum Teil aus der Vorgängerorgel übernommen. Von den 42
Registern sind 17 Register (ca. 40 %) neu, 24
Register alt und ein Register (Quintbass 10 2/3’)
noch vakant. Die alten Register wurden gründlich überarbeitet und
klanglich in das neue Klangkonzept der Orgel eingepasst.
Æ Das neue
Klangkonzept der Orgel wurde den heutigen Vorstellungen angepasst.
Ein wesentliches Ziel war, der Orgel mehr Grundtönigkeit und Wärme zu geben.
Die Orgel sollte zudem Kraft und Fülle, Transparenz und Brillanz, jedoch
ohne aufdringliche Schärfe, aufweisen können.
Groß ist unsere Freude, diesen besonderen Augenblick der
Vollendung der Arbeiten mit der Weihe feiern zu können. Ein besonderer
Augenblick für die katholische Kirchengemeinde St. Kilian, ein besonderer
Augenblick für diese Kirche, in der die Stimme der Orgel wieder neu
erklingt. Aber auch ein besonderer Augenblick für die Kirchenmusik, die von
bemerkenswerten Künstlern dargeboten wird.
Orgel und Kirchenraum gehören zusammen. Dies gilt nicht
nur für den architektonischen, sondern auch für den klanglichen Bereich
einer Orgel. Jedes Orgelwerk wird im Hinblick auf Größe, Disposition
(Klangzusammenstellung), Mensuren (Maßbestimmung der Pfeifen), Design
(Prospektgestaltung), Fertigung und Intonation entsprechend den
Gegebenheiten des Kirchenraumes individuell gestaltet.
Die von Herrn Regionalkantor Peter Rottmann (Bad
Kissingen) ausgewählte Disposition wird den gestellten Anforderungen voll
und ganz gerecht werden. In ihrer Ausgewogenheit von Principalen, Flöten,
Streichern, Aliquoten, Mixturen und Zungenregistern bietet sie reichlich
Möglichkeiten zur Darstellung der klassischen sowie auch der modernen
Orgelliteratur.
Neben der klanglichen Integration in den jeweiligen
Kirchenraum ist auch die architektonische Einbindung der Orgel für uns von
höchster Priorität. Es wurde ganz bewusst keine „sklavische Anpassung der
Formen" verfolgt, sondern vielmehr eine kreative „Einpassung"; oder noch
besser gesagt, eine „Zeitgenossenschaft" zwischen alt und neu vollzogen.
Die neue Orgel wurde im Innenleben nach klassischen
Prinzipien konzipiert, ohne jedoch die Errungenschaften des zeitgenössischen
Orgelschaffens gänzlich außer Acht zu lassen. Die Grundidee der Konzeption
schöpft aus der reichen Orgelbaugeschichte unseres Handwerkes. Es kamen nur
natürliche Werkstoffe, langjährig und natürlich abgelagerte Hölzer von
bester Qualität und solide Konstruktionen zur Verwendung.
Die 3-manualige Spielanlage wurde direkt vorne in den
historischen „Orgelfuß" eingebaut. Von hier aus bedient der Spieler alle
Funktionen des Werkes. Die Spieltrakturen wurden, vorgegeben durch die
räumliche Situation, mechanisch und elektrisch angelegt. Die Einschaltung
der Register geschieht ausschließlich elektrisch. Hier wurde zudem eine so
genannte Setzerkombination eingebaut, die den Organisten das Speichern
vorgewählter Klangkombinationen ermöglicht.
Den nötigen Wind liefert ein hinter dem Schwellwerk
aufgestellter Ventilator, der die Bälge über ein Kanalsystem ausreichend mit
„orgelgerechtem" Wind versorgt.
Alle Metallpfeifen wurden ausschließlich aus gegossenen
und gehobelten Zinnplatten in hochwertiger Handarbeit hergestellt.
Unterschiedliche Legierungen und Bauformen sorgen für eine feine
differenzierte Klangcharakteristik des Orgelwerkes. Für die Holzpfeifen galt
ebenfalls höchster Anspruch an Klangqualität und Material. Es kamen nur
heimische Edel- und Obsthölzer zur Verwendung.
Mein Bruder, Orgelbaumeister Erhard Hey, sorgte als
überregional anerkannter Orgelbaumeister und Intonateur für die ausgewogene
Klanggebung der neuen Orgel im Kirchenraum. Hierbei wurde größter Wert
darauf gelegt, nicht etwa die maximale Klangkraft aus jeder Pfeife
„herauszuholen", sondern die raumbezogene Musikalität des Instrumentes in
den Vordergrund zu stellen und das neue Klangkonzept gut zu verwirklichen.
Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die für das
Gelingen des Orgelwerkes beigetragen haben. Mein besonderer Dank gilt Herrn
Pfarrer Herbert Roßmark, den Organisten Herbert Schmitt und Karl-Heinz
Fischer sowie dem Orgelsachverständigen der Diözese Würzburg, Herrn
Regionalkantor Peter Rottmann. Alle waren während der gesamten Planungs- und
Bauphase präsent und haben das Projekt mit vorangebracht. In diesen Dank
einschließen möchte ich selbstverständlich auch meine Mitarbeiter, die beim
Bau dieser Orgel wieder außerordentlichen Einsatz gezeigt haben.
Dank der Kirchenstiftung St. Kilian für die Beauftragung
und das Vertrauen in unsere Handwerkskunst sowie die gute Zusammenarbeit.
So dürfen wir das Instrument übergeben mit dem Wunsch der
Erbauer,
Soli Deo Gloria – Gott allein zur Ehre!
Herbert Hey
Orgelbaumeister & Restaurator
Die neue Hey-Orgel in Zahlen und Fakten:
Höhe: 6,30 m
(Mittelteil der Orgel)
Breite: 7,40 m (Mittelteil
der Orgel)
Tiefe: 1,70 m HW und 1,30 PW
Gewicht: ca. 6.800 kg auf
der Orgelempore + 560 kg Chororgel
Anzahl der Pfeifen: 2 642
Stück
Längste Pfeife: ca.
4,90 m, Violonbass 16’ = 32 Hz
Kleinste Pfeife: ca. 7
mm, Mixtur =
11 500 Hz
Klaviaturen: 3 Manual- und 1
Pedalklaviatur (Hauptspieltisch)
Registeranzahl: 42 Register,
davon 37 Labialregister und 5 Zungenregister
Koppeln: 11 Koppeln
Windladen: 6 Stück
Anzahl der Blasebälge: 7
Stück
Winddruck (WS): 65 - 110
Millibar
Höchste Tonfrequenz: 11 500
Hertz
Tiefste Tonfrequenz: 32
Hertz
Stimmung Ton a: 440 Hz
Der normale Hörbereich des Menschen liegt etwa zwischen 20 Hz und 20 kHz.
Materialien in der neuen Orgel:
Eichenholz, Tanne, Kiefer, Esche, Zeder, Birnbaum,
Weißbuche, Rotbuche, Ahorn, Birke, Kirschbaum, Ebenholz, Grenadill, Knochen,
verschiedene Lederarten, Filz, Leinen, Porzellan, Messing, Zinn, Blei,
Eisen, Stahl, Farbe, Öle, Schrauben und verschiedene Leime.
Elektrische Teile: Orgelmotor, Gleichrichter,
Registerzugmagnete, Tonventilmagnete, Setzeranlage, Platinen und diverse
Beleuchtungseinrichtungen.
Erbauer: Hey – Orgelbau, Hauptstr. 34
97645 Ostheim-Urspringen
Opus 270 - 2004
Konstruktion/Design: Herbert Hey, Orgelbaumeister &
Restaurator
Fachberatung: Peter Rottmann, Regionalkantor
Intonation: Erhard Hey, Orgelbaumeister
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